Testbetrieb Graz: RTR-GmbH veröffentlicht Zwischenbericht mit 13 Erkenntnissen und Ergebnissen

Kreislauf für interaktives Fernsehen inklusive Rückkanal hergestellt - Sieben TV-Veranstalter testen interaktive Applikationen auf MHP-Basis - 150 Testhaushalte liefern wichtige Ergebnisse für die Einführung von Digital-TV in Österreich - Endbericht wird im Spätherbst veröffentlicht

Pressemitteilung vom 03.09.2004

Mit 31. August 2004 fand der Testbetrieb für digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T) und die Erprobung von interaktiven TV-Zusatzdiensten auf Basis des europäischen Software-Standards MHP (Mulimedia Home Platform) sein Ende. Der detaillierte Abschlussbericht, insbesondere was die genauen Ergebnisse der begleitenden Marktforschung betrifft, wird im Spätherbst veröffentlicht werden, dennoch können die vier Kernpartner, Österreichischer Rundfunk, Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH, Siemens AG Österreich und Telekom Austria AG bereits jetzt eine erfolgreiche Zwischenbilanz ziehen. 13 grundsätzliche Ergebnisse und Erkenntnisse werden heute von der RTR-GmbH veröffentlicht (siehe Anhang).

„Der Testbetrieb wurde und wird von Experten in zahlreichen europäischen Ländern mit großem Interesse verfolgt. Die Erkenntnisse fördern unmittelbar die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle der Rundfunk-Veranstalter, wie des ORF und der österreichischen Privat-TV-Anbieter. Die Ergebnisse dienen darüber hinaus der weiteren Entwicklung im Bereich der Geräteindustrie, der Frequenzplanung sowie des MHP-Standards“, erklärt Dr. Alfred Grinschgl, RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Rundfunk.

In den Monaten Juni und Juli konnten die 150 Testhaushalte, die von Fessel+GfK und dem steirischen Unternehmen „evolaris“ ausgewählt und mit MHP-fähigen und Rückkanal-tauglichen Set-Top-Boxen ausgestattet wurden, ein Bouquet aus vier TV-Programmen empfangen: ORF1, ORF2, ATV+ und „!TV4GRAZ“, ein eigens zusammengestelltes 24-Stunden-Programm mit Sendungsinhalten von insgesamt sieben Fernsehveranstaltern (ORF, ATV+, goTV, ProSieben Austria, SAT.1 Österreich, Steiermark 1 und Aichfeld TV).

Jeder dieser Sender entwickelte zu seinen Programmen digitale Zusatzdienste, die über ein MHP-Portal zu bedienen waren. Durch die Herstellung eines kompletten Kreislaufes für interaktives Fernsehen inklusive Rückkanalanbindung und Rechenzentrum konnten auch „vollinteraktive“ Anwendungen wie die Bestellung von Produkten, Votings und die Platzierung von Wetten bei Fußballspielen erprobt und erfolgreich umgesetzt werden.

Ende Juli wurde der Sonderkanal „!TV4GRAZ“ planmäßig eingestellt, die Testhaushalte konnten aber weiterhin die Programme ORF1, ORF2 und ATV+ mit den jeweiligen MHP-Applikationen empfangen.

Neben der Erforschung der Verbraucherakzeptanz von interaktiven Zusatzdiensten lieferte dieser Testbetrieb einen wertvolles Know-how für österreichische Fernsehanbieter – ORF wie Privat-TV-Anbieter – und die am Design und der Programmierung der MHP-Applikationen beteiligten IT-Unternehmen (Bearing Point, Siemens, Sony Net Services).

Dieser Know-how-Aufbau erfolgte plattformunabhängig, die gewonnenen Erkenntnisse kommen nicht nur der Digitalisierung der terrestrischen Verbreitungsform zugute, sondern der Digitalisierung des Rundfunks insgesamt. Die in Graz gesammelten Erfahrungen können Fernsehveranstalter nun auf sämtlichen Plattformen für digitales Fernsehen (Kabel, Satellit und Terrestrik) einsetzen. Der Testbetrieb wurde aus Mitteln des bei der RTR-GmbH eingerichteten Digitalisierungsfonds und der steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) gefördert.

Für die Medienbehörde KommAustria und ihren Geschäftsapparat RTR-GmbH liefert der Testbetrieb wichtige Erkenntnisse für die Einführung von Digital-TV in Österreich. Bereits jetzt zeigt sich, dass vor allem die im Vergleich zur analogen terrestrischen Verbreitung überragende Empfangs- und Bildqualität zu den augenscheinlichsten Erfolgsmerkmalen zählt. Dieses Statement findet sich besonders häufig in den „Tagebucheintragungen“ der Testhaushalte im Rahmen der begleitenden Marktforschung. Eine erste Ergebnisanalyse zeigt auch eine hohe Akzeptanz für die interaktiven MHP-Applikationen, wobei diese nach Kreativität und ihrem tatsächlichen Nutzen beurteilt werden.

Der Grazer Testbetrieb hat die unmittelbare Konsequenz, dass Österreich eingeladen wurde, an einem internationalen Informations-Netzwerk aus vergleichbaren regionalen DVB-T-Projekten namens „DICE“ („Digital Innovation through Cooperation in Europe“) teilzunehmen. Unter der Federführung des Wirtschaftssenates von Berlin nehmen neben Österreich (vertreten durch die RTR-GmbH und das Institut für Kommunikationsnetze und Satellitenkommunikation an der TU Graz) auch Projekte aus folgenden Mitgliedsstaaten der EU teil: Schweden, Dänemark, Großbritannien, Ungarn, Polen und Litauen. Ziel dieses Netzwerkes, das aus Mitteln des EU-Förderprogramms InterregIIIc gefördert wird, ist es, in den nächsten zwei Jahren auf Basis der in den jeweiligen Einzelprojekten gemachten Erfahrungen gemeinsame Lösungsansätze zu den Herausforderungen, die sich im Rahmen der Digitalisierung stellen, zu erarbeiten.


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